Kinder besser zappeln lassen!
Aber wann wird aus „Zappeln“ eigentlich Hyperaktivität?
„Kippel nicht! Sitz bitte still!“ Diesen Satz kennen wir alle von unseren Lehrern. Hätten wir mal besser nicht auf sie gehört, dann hätten wir vielleicht in der Schule mehr gelernt! Denn je länger ein Kind still sitzt, desto weniger Sauerstoff kommt ins Gehirn und desto unaufmerksamer wird es. Dieter Breithecker von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung: „Beim Stillsitzen sackt der Körper irgendwann zusammen. Der Rücken wird rund, die Schultern fallen nach vorn, Bauch und Lunge werden zusammengepresst.“ Der Sitzende atmet infolgedessen weniger tief, wodurch weniger Sauerstoff in sein Blut und damit auch ins Gehirn gelangt.
Folge: Die Aufmerksamkeit lässt nach, die Gedanken schweifen ebenso wie der Blick ab. Kinder kompensieren dies oft, indem sie mit dem Stuhl kippeln oder auf dem Sitz hin- und herrutschen – also unbewusst das tun, was oft mit dem Begriff „Zappelphilipp“ umschreiben wird.
Breithecker hat daher einen besonderen Appell an Eltern und Lehrer: „Lass den Philipp doch mal zappeln.“
Warum?
Wenn Kinder unruhig sitzen, werden die Muskeln öfter beansprucht. Das fördert die Durchblutung und bringt damit mehr Sauerstoff ins Hirn. Folge: Die Konzentration ist höher.
Wie fand Breithecker das heraus?
Gemeinsam mit Forschern von der Universität Saarbrücken untersuchte er, wie sich nach vorn, hinten und zur Seite bewegliche Sitzflächen auf den Körper von Jugendlichen auswirken. Dazu maßen sie mit einer Wärmebildkamera die Oberkörperdurchblutung der Testpersonen und verglichen die Werte mit einer im Schulunterricht stillsitzenden Kontrollgruppe.
Ergebnis: Die inneren Organe und vor allem der Halsbereich der zappelnden Schüler war wesentlich stärker durchblutet.
Das Ganze bedeutet auch: Nicht jedes Kind, das zappelt, ist hyperaktiv! Dennoch sollten Eltern auf gewisse Symptome der Hyperaktivität achten – denn die Grenzen zwischen Zappeln, Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADS) und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sind fließend.
Die wichtigsten Fakten zu ADS und ADHS:
Das Kind ist auffallend unkonzentriert und unorganisiert
Das Kind nimmt Details schlecht wahr
Das Kind lässt sich leicht ablenken
Das Kind hört selten zu, wenn man mit ihm spricht
Das Kind verliert und vergisst oft Dinge
Das Kind ist unordentlich
Das Kind ist in der Schule meist ein Einzelgänger
Das Kind ist sehr impulsiv und ungeduldig
Das Kind hat ein gestörtes Schmerzempfinden (z.B. viele blaue Flecken)
Das Kind ist ständig in Bewegung
Das Kind redet permanent und unterbricht andere
Das Kind zappelt oft mit Händen und Füßen
Seh,- Hör,- Tast,- Geschmacks- und Tastsinn des Kindes sind gestört
die Symptome schon vor dem achten Lebensjahr auftreten,
sich die Symptome schon mindestens ein halbes Jahr zeigen,
organische und andere Störungen ausgeschlossen werden konnten,
die Symptome in allen Lebensbereichen auftreten
Die Ursache von ADS/ADHS ist...
eine genetisch bedingte Hirnstoffwechselstörung. Das Gehirn wird mit Informationen überflutet, die Kinder können nicht mehr zwischen „wichtig“ und „unwichtig“ unterscheiden. Medizinische Ursache: Bestimme Hirnareale werden nur mangelhaft durchblutet. Dadurch wird eine zu geringe Menge an Botenstoffen (Dopamin, Noradrenalin, Serotonin), die für die Übermittlung von Informationen und Reizen zuständig sind, ausgeschüttet oder zu schnell abgebaut.
ADS/ADHS kann man behandeln durch...
Ergotherapie
Lese-Rechtschreibkurse
Heilpädagogik
Psychomotorik
Psychotherapie
Medikamenten/Stimulanzien/Antidepressiva